Evangelische Kirche Xanten-Mörmter

Neuigkeiten

Monatsspruch NOVEMBER

Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.
Ez 37,27

GEMEINDEBRIEFE ONLINE

An dieser Stelle finden Sie stets aktuell die letzten Gemeindebriefe zum Download oder zum Online-Studium.

Zum Lesen des Gemeindebriefes ist der Acrobat Reader notwendig, den Sie hier downloaden können.


Geschichte

Zwischen der Mitte des 16. Jahrhunderts und dem Jahre 1811 gab es auf dem heutigen Gebiet der Stadt Xanten zwei getrennte reformiert-evangelische Gemeinden. Die eine, Mörmter, war 1546 als Eigenkirche der Familie Quadt-Wickrath gegründet worden. Die andere ist seit 1572 in Xanten bezeugt. Ihre Anfänge liegen im Dunkeln. Eine Aktennotiz vom 2. März 1592 hält fest: "Anno 1572 syn etliche fromme Burgern umb die reine Lehre des h. Evangelii uith der Statt Xancten  verdrewen. Item eodem anno hebben wederumb die Religions-Verwandten (so noch overich) ihre Beikumpsten gepflogen und in Christi Nam bis in anno 91 in Heusern hin und widder heimlig gehalten und allda ihre Exercitia Religionis durch Behilf M. Hermann Grevenstein gen. Löwken als ihrer aller Principalen und Vorstender exerciert und continuiert." Eigene Kirchengebäude wurden 1647ff. in Xanten und 1655 in Mörmter errichtet.

Im 17. und 18. Jahrhundert gab es zeitweise auch eine selbständige lutherische Kirchengemeinde in Xanten. Zwischen 1811 und 1993 waren die beiden reformierten Gemeinden pfarramtlich verbunden, wurden vom Xantener Pfarrer betreut und hatten getrennte Presbyterien. 1818 schlossen sich die reformierte und die lutherische Gemeinde zu einer Gemeinde der preußischen Union mit einem Pfarrer zusammen. Auflage des Einigungsvertrages war die Wahrung der beiderseitigen Traditionen. Die Gemeinden hatten sich auf Wunsch Friedrich Wilhelms III. von Preußen zusammengeschlossen. Dieser wollte anlässlich der Dreihundertjahrfeier des Tages, an dem Martin Luther seine 95 Thesen zur Reform der Kirche veröffentlicht hatte, die beiden evangelischen Richtungen in seinem Land in einer evangelischen Kirche aufgehen lassen. 1993 wurde die pfarramtliche Einheit zwischen Mörmter und Xanten aufgehoben. Es entstand die Gemeinde Xanten und Mörmter mit einem neuen Siegel, einem Presbyterium und zwei Pfarrbezirken, von denen seit 1994 einer jeweils von einer Pfarrerin geleitet wird.
Evangelische Kirche Xanten
Evangelische Kirche

Bis in die Anfänge des 20. Jh. blieben die Evangelischen in Xanten eine Minderheit von kaum mehr als 5% der Bevölkerung. Erst nach dem II. Weltkrieg erhöhte sich ihr Anteil auf etwa 20%. ie zunehmend bedrängte Situation der christlichen Konfessionen  in unserer Zeit hat Xanten seit den 70iger Jahren des 20. Jahrhunderts zu verstärkter Zusammenarbeit geführt. Davon zeugen der Eine-Welt-Laden, ökumenische Wortgottesdienste und Feiern zu den verschiedenen Kasualien.

Politisch gehört Xanten seit dem 15. Jh. zum Herzogtum Kleve. Anfang des 17. Jh. erbte das Haus Brandenburg das Herzogtum. Indem sie von der lutherischen zur reformierten Konfession übertraten, versuchten die Kurfürsten von Brandenburg ihre Position in den Auseinandersetzungen über den Antritt ihres Erbes zu stärken.
Als am 12. November 1614 in Xanten ein erster Vertrag abgeschlossen wurde, der die streitenden Parteien um das Klever Erbe zufrieden stellen sollte, konnten die Evangelischen hoffen, endlich neben den Angehörigen der römisch-katholischen Konfession als gleichwertig anerkannt zu werden. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg sorgte 1647 dafür, dass die reformierte  Kirchengemeinde einen Bauplatz aus Stiftsbesitz an der Südwestecke der ehemaligen Wehranlagen um das Stift erhielt. 

Der Kurfürst steuerte Holz aus den herzoglichen Waldungen zum Bau bei. Außerdem stiftete er Steine des 1641 von den Spaniern gesprengten Kastells in Sonsbeck. Am 15. August 1649 feierte die reformierte Gemeinde den ersten Gottesdienst in der barocken Predigtkirche. Das Datum wurde wohl in Erinnerung an den 1648 abgeschlossenen Westfälischen Frieden gewählt. Der Tag ist als "Kurfürstensonntag" in die Geschichte der Gemeinde eingegangen, hatte doch der Große Kurfürst mit seiner Familie auf dem Weg von Kleve nach Berlin am ersten Gottesdienst in der neuen Kirche teilgenommen.

Zur 350. Wiederkehr des Tages, an dem der erste Gottesdienst in der Evangelischen am Großen Markt in Xanten stattfand, wählte die Gemeinde ein Bild des Großen Kürfürsten, das sich im Museum Kurhaus Kleve befindet. Der Künstler ist nicht bekannt. Der Kurfürst trägt eine Phantasieuniform aus dem Schauspiel "Die Schlacht von Zama" (202 v. Chr.), das der Hof in Kleve 1652 aufgeführt hatte. Der Kurfürst spielte den Römer Scipio, der den Karthager Hannibal besiegt hatte. Risse in der Westwand der Kirche machten eine Stütze notwendig. 1662 wurde der Glockenturm ebenfalls mit Steinen aus Sonsbeck errichtet.

Als nach der Mitte des 18. Jh. das Kirchengebäude zusehends verfiel, wandte sich das Consistorium, damals der Name für das heutige Presbyterium, indem es sich an früher empfangene Wohltaten erinnerte, vermittelt durch den Großen Kurfürsten, an dessen Urenkel, Friedrich II., genannt der Große, dessen Regierung in Kleve Gelder wiederum aus Stiftspräbenden für die Reparatur bestimmte. Die Gelder stammten aus der durch den Tod des Kanonikers Bartels im Jahre 1785 erledigten Stiftspräbende. Allerdings konnte Friedrich  der Einladung zum Gottesdienst anlässlich der Wiedereröffnung Mitte 1786 nicht folgen. Sein Tod am 17. August machte aus der Eröffnung einen Trauergottesdienst. Pfarrer Heinrich Wilhelm Triesch hielt nach Art barocker Leichenpredigten eine "Gedächtnis-Rede auf Friedrich den Einzigen". Vorgegeben war eine Stelle aus "Chronica XVIII, 8: und bin mit dir gewesen, wo du hin gegangen bist und habe deine Feinde ausgerottet für dir und habe dir einen Namen gemacht, wie die Großen auf Erden Namen haben." ( D. Martin Luther. "Die Ganze Heilige Schrift" Deutsch. 1545). Ein Gönner ließ die Predigt in Wesel drucken. Gute Beziehungen des Ortspfarrers zum Hof des Erzbischofs von Köln machten es möglich, dass die Gemeinde für fast eineinhalb Jahre ihre Gottesdienste in der Kapelle  über dem Michaelstor, dem Südzugang zur Stiftsimmunität vom Großen Markt her, feiern konnte. Um Rangeleien zwischen den konfessionsverschiedenen Gottesdienstbesuchern auf dem Weg zu ihren Kirchen zu vermeiden, versammelten sich die Reformierten am Nachmittag. Triesch feierte die Vereinbarung mit dem Stift als Sieg der Ideen der Aufklärung. Größte bauliche Veränderung im Innenraum brachte die Empore für die Orgel der Firma Ludwig König und Söhne aus Köln.

Der Totenkeller war 1785 geschlossen worden. Er wurde erst wieder 1934 beim Einbau einer Heizung geöffnet. Er wurde seither im größeren Teil als Totengedenkstätte und nach dem II. Weltkrieg für die Jugendarbeit genutzt. Ein letzter Versuch , die Großzügigkeit der Hohenzollern, wie sich dann die Brandenburger nannten, in Anspruch zu nehmen, fiel 1899 beim 250jährigen Jubiläum des Kirchengebäudes mit dem Geschenk einer Altarbibel recht kläglich aus. Allerdings ist sie mit der eigenhändigen Widmung der letzten deutschen Kaiserin, Auguste Viktoria, zum interessanten musealen Objekt geworden. Der Totalverlust der Akten für die Zeit von 1928 bis 1945 am Kriegsende lässt keine verlässlichen Aussagen über die Haltung der evangelischen Kirchengemeinde in der Auseinandersetzung zwischen Anhängern der Bekenntnissynode von Barmen 1934 und den sog. Deutschen Christen zu. Möglicherweise wurden die Akten absichtlich vernichtet, um die doch recht positiv gefärbte Haltung der Gemeinde zum Dritten Reich zu verschleiern. An den Folgen der Kriegszerstörungen leiden die Kirchengebäude bis heute, wie die Reparaturen des Turmes und des Kirchendaches in den Jahren 2007 - 2009 zeigen. Kirche in Mörmter
1950 wird ein Jugendheim neben der Kirche geplant, um den Erfordernissen unserer Zeit nachzukommen. Dadurch verschwindet die bis dahin freie Fläche zwischen Kirche und einem im Kriege zerstörten Werkstattgebäude. Das heute als Gemeindesaal genutzte Jugendheim liegt durch Auflagen der Denkmalpflege von der Kurfürstenstraße einige Meter zurückgenommen, um den Blick auf den Dom vorbei am Turm der Kirche freizuhalten. Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach Kriegsende und Zuzüge vor allem aus dem Ruhrgebiet gegen Ende des 20.Jh. bedeuteten einen großen Zuwachs der Gemeinden in Xanten und Mörmter. 1972feierte die Gemeinde Xanten 400 Jahre, seit zum ersten Mal reformierte Christen in Xanten schriftlich erwähnt worden waren. Die Feiern standen bereits unter dem Eindruck, dass zunehmend weniger Menschen die Gottesdienste besuchen. 1974 wird das Innere der Kirche wieder auf Formen einer reformierten Predigerkirche zurückgeführt. Der Altaraufbau, den die Eltern eines 1814 in Xanten tödlich verunglückten preußischen Leutnants gestiftet hatten, wurde restauriert und in der stadtgeschichtlichen Abteilung des Regionalmuseums gezeigt. Ein Bronzemonument erinnerte bis 1945 neben der Kanzel an den Tod des Leutnants. Die Reste des Altaraufbaus werden neben anderen Erinnerungsstücken aus der Geschichte der Gemeinde in einer Vitrine in der Kirche aufbewahrt. Die Reformierten haben keine Bilder in der Kirche. Mittlerweile begleitet die Gemeinde im Gottesdienst ein Kreuz auf dem Abendmahlstisch. Auch sind Kerzen im Gottesdienstraum ein Zeichen veränderter spiritueller Bedürfnisse geworden. Die Königorgel aus dem Jahre 1785 wurde 2002 umfangreich restauriert und erweitert. Sie ist damit neben ihrem Dienst im Gottesdienst zu einem wichtigen Bestandteil des Kunst- und Kulturprogramms unserer Kirchengemeinde geworden.